Geschüttelt vom starken Wind biegt sich die Palme vor einem herrlich blauen Himmel. Am Fuß der Pflanze lehnen Schubkarre, Harke und Spaten, gesäumt von frisch gesenstem Grün. Ein Stillleben in der Mittagszeit, Mitte März auf einem riesigen Campingplatz an der Costa Brava. Nicht der einzige Ort, der im Sommer zigtausende Sonnenanbeter anlocken soll und dafür gerade aus dem Winterschlaf geweckt wird.

An der Küste reihen sich Campingplätze, Feriendörfer und Bettenburgen aneinander, verweist, ausgestorben, menschenleer. Wir fahren die kurvige Küstenstraße entlang und stoßen überall auf das gleiche Bild: Ganze Freizeitparks auf Abruf; Riesenräder, Diskotheken, Bars – im Tiefschlaf seit Monaten. Oder durchstreifen wir doch eine Welt nach der nuklearen Katastrophe? Auf jeden Fall scheint hier alles von der warmen Hälfte des Jahres zu leben, wie ein riesiger Organismus, der die übrigen Monate in eine eigentümliche Starre verfällt. Gedankenspiele, die sich aufdrängen.

Gen Abend sehen wir hier und da Menschen auf Fahrrädern die Landstraßen entlang radeln oder strammen Schrittes die hochgeklappten Bürgersteige treten. Ein mühsamer Heimweg, nach getaner Arbeit, irgendwo tief in den schlafenden Urlaubsparadiesen. Fast alle von Ihnen – das fällt auf – haben schwarze Hautfarbe. Afrikaner, die helfen – sicher für faire Löhne und Arbeitsbedingungen – den Urlaubern aus dem Norden ihre Nester zu bereiten? Denn die werden bald einfallen, wie eine Heuschreckenplage, soviel ist sicher. Dann werden die, jetzt menschenleeren, Strände gepflastert sein, mit Handtüchern, Plastikspielzeug und Leibern, in allen Farben des Regenbogens. Strände, wie jene an denen viele Arbeiter aus Afrika einmal die Festung Europa betreten haben, glücklich überlebt zu haben, nicht ahnend, wie schwer es sein wird, in der neuen Welt. Solche Gedanken bewegen die Urlauber kaum. Sie haben verdient was sie haben, Montags bis Freitags im stressigen Job. Alles für ein paar Wochen am Strand.

Nach endlosen Kilometern an den verwaisten Campingplätzen vorbei, stoßen wir doch noch auf einen belebten Flecken Erde. „Guten Abend“ lautet die freundliche Begrüßung auf Deutsch. Seit drei Tagen haben sie geöffnet hier, teilt das blonde Mädel an der Rezeption uns mit; alles läuft schon – Supermarkt, Restaurant und Bar. Stolz lächelt sie uns an. Der Wind fegt, aber die Sonne scheint und es sind kaum Mücken oder anderes Stechgetier unterwegs. Man kann das Glas immer halb voll oder halb leer sehen, wie wir alle wissen.

Auf dem „deutschen“ Campingplatz, sind die Tagelöhner schon verschwunden, bald laufen sie mit Kaltgetränken den nahen Strand auf und ab. Hinterlassen haben sie saubere Stellplätze, mit akkurat geschnittenen Hecken. Und dort stehen auch schon die ersten Wohnmobile aus Essen, Düsseldorf und Co.

Hola, Costa Brava.