„Der Karren steht immer noch nicht gerade“, schimpft Hubert und schlägt dem Ei wütend den Kopf ab. Else sagt nichts. Minutenlang klappern nur Kaffeetassen, Messer und Eierlöffel im Innenraum des silbergrauen Campingwagens.

Ein Furz zerreißt die Stille, aber auch der bleibt unerwidert. Beide haben sich dran gewöhnt, dass die Luft immer öfter ohne Passierschein entweicht. Ist halt so, da kann man nichts machen. Vor allem Else hat’s mit den Flatulenzen. Aber nach über 40 Jahren Ehe, erträgt die Beziehung so einiges.

Wortlos steht Else auf und beginnt mit dem Abwasch. Ein bißchen Pril aufs Schwämmchen, alles einmal durchwischen, mit klarem Wasser abspülen und zum Trocknen abstellen.

Hubert blickt immer noch entgeistert in seine Kaffeetasse, in der der letzte Schluck noch hängt und ein Problem offensichtlich macht: Der verdammte Wagen ist nicht in Waage! Dabei hatte er doch immer wieder die kleine Wasserwaage bedient und das Gefährt mit den Metallstützen perfekt nivelliert.

Wütend stapft er ins Freie und stolpert dabei fast über Schröder, den alten Schäferhund. Dann sieht er das Problem und erschrickt. Eine der eisernen Stützen am Heck des Wagens hat dem Rost nachgegeben und ist durchgebogen. Genau an der Seite auf der Hubert immer pennt.

„Hab dir tausend Mal gesagt, du sollst dich abends nicht so ins Bett schleudern“, hört er Else sagen – ihre ersten Worte heute. Sie steht neben ihm, Kreuzworträtsel und Kuli in der Hand. Hubert grunzt nur mürrisch. In der Tat erinnerte er sich, dass bei seinem abendlichen Ritual ein leichtes Knacken zu hören war: Die 100 Kilo auf die Bettkante absetzen, Schlappen in hohem Bogen direkt vom Fuß in die Besenecke feuern, vorbeugen, Arme ausstrecken und mit Schwung nach hinten, so dass er mit dem Kopf direkt vor der Heckscheibe zum Stillstand kommt. „Knack“ – ja so muss es passiert sein. Nur das ging Else jetzt nichts an. Die liegt jetzt eh schon auf ihrer Bahre in der Sonne und zerbricht sich die Rübe über ihren Kreuzworträtseln.

Hubert hat jetzt wenigstens ein Projekt. Er nickt zufrieden, steigt in den greisen Ford Mondeo und lenkt vom Campingplatz. Richtung: Baumarkt – einem seiner Lieblingsorte.

Problem nur, dass er in Südspanien ist und nicht im heimischen Ottmarsbocholt. Er nimmt allen Mut zusammen, hält an, kurbelt die Scheibe herunter … und:

„Donde esta la … ähm … Baumarkt, Obi, Hornbach, wie auch immer… Bauhaus. Mist.“

Irgendeins der Worte, die Hubert abgefeuert hat, bringt die ältere Dame, die er angequatscht hat, in Fahrt. Wild gestikulierend deutet sie nach links und rechts und geradeaus, begleitet von einem Wortschwall von dem der Arme Hubert garnichts mitnimmt. „Gracias“, entfährt es ihm und er drückt das Gas durch.

Am Nachmittag taucht der olle, aber gut gepflegte, Mondeo endlich wieder auf. So sehr ihr Hubert sie auch nervt, wenn er zu lange wegbleibt, schalten sich die Sorgen automatisch ein bei Else. Sie schimpft ihn aus – Gewohnheit – er hört kaum zu.

Einen Baumarkt hat er nicht gefunden, der Mondeo ächzt aber unter der Last einiger Waschbetonplatten, die er an einem verwaisten Schotterparkplatz aufgelesen hat – ständig von der Angst geritten erwischt zu werden.

Jetzt ist der 100-Kilo-Mann erschöpft und freut sich über den aufgestellten Klapptisch, die Kekse und die hässliche Kaffeekanne. Später, nach einem Schläfchen, wird er den Wagen neu aufbocken.

Ein Projekt.

Sonst..: Nichts. Außer dem Üblichen.